Geistliches Wort

Gut und Böse

Am kommenden Sonntag wird in den Gottesdiensten der Wochenspruch verlesen. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ – so formuliert es der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom (Kap.12, Vers 21). 

Ein begriffliches Gegensatzpaar begegnet uns hier. Gut und Böse. Betreibt Paulus Schwarz-Weiß-Malerei? Dabei wissen wir, dass das schablonenhafte Denken in seiner Schlichtheit verführerisch ist, aber den Menschen und den Umständen, in denen sie handeln, nicht gerecht wird. Da erfolgt dann der Hinweis, dass wir von Fall zu Fall entscheiden müssen.

Was aber ist nun das Böse?

Bei Paulus erscheint es unpersönlich. Eine Macht für sich. Eine Macht, der sich Menschen ergeben, von der sie sich übermannen oder verführen lassen. Eine unpersönliche Macht ist schwer zu greifen.

Im Mittelalter half man sich mit der Vorstellung des Teufels. Auf der von Lukas Cranach gestalteten Bildtafel mit den 10 Geboten, sieht man Menschen seiner Zeit. Auch den Dieb, sogar den Mörder. Man muss genau hinschauen, um zu entdecken, dass diesen Personen eine Teufelsgestalt im Nacken sitzt. Sozusagen von ihnen Besitz ergreift. Ihr Denken und Handeln bestimmt. Wenn das so einfach wäre, das Böse auf Anhieb zu erkennen und von der Schulter abzuschütteln. Jesus warnt sogar vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern auftreten, aber inwendig reißende Wölfe sind.

Heute erleben wir das bis in bestimmte Ebenen der Politik hinein. Es gehört zur Wesensart des Bösen, dass es sich an- und einschleicht. Harmlos und verharmlosend. Warum gibt es das überhaupt: das Böse. Liegt es im Wesen des Menschen? Ist es auch Teil von Gottes Schöpfung? So wie im Prolog des Buches Hiob, in dem der Satan sich im Gespräch mit Gott die harten Schicksalsschläge  erdenkt, die den Unschuldigen treffen sollen, um seinen Glauben zu prüfen. Wie frei sind wir dann noch, uns für das Gute zu entscheiden?

Und was ist nun das Gute?

All das, was uns kein schlechtes Gewissen bereitet. Alles, was wir anderen zu Gute kommen lassen. An guten Wünschen und praktischer Unterstützung, ja Hilfe in der Not.  Angefangen bei den Geboten bis hin zur Verkündigung Jesu und dem diakonischen Engagement in den ersten christlichen Gemeinden – übrigens bis heute – lassen sich der Bibel reichlich Anregungen für das Tun des Guten entnehmen. Und auch in unserer Gegenwart finden sich unzählige Beispiele ehrenamtlichen Engagements für die eine oder andere gute Sache. Und dann gibt es sogar noch ein gutes Gefühl, Gutes zu tun. Also tun wir es einfach:

Das Gute.

Pfarrer Thomas Alberti, Taura und Claußnitz

Pfarrer Thomas Alberti
Pfarrer Thomas Alberti