Geistliches Wort

Druckteufel

In meiner Kindheit hatten wir einen Flaschenteufel, ein Mitbringsel aus einer Thüringer Glasbläserei. Bei den wenigen Malen, wo wir ihn aus dem Wohnzimmerschrank nahmen, überkam mich ein Gefühl freudiger Mulmigkeit. Immerhin war das rot-weiße Ding ja leicht zerbrechlich und wurde „Teufel“ genannt.

Jesus ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören, erinnert der Wochenspruch. Jesus selbst wurde von ihm auf die Probe gestellt. Der Name ist Programm: Teufel bedeutet „Verwirrer“. Eine andere, modern anmutende Übersetzung ist „Faktenverdreher“. Aus Unsicherheit und Unwahrheit wachsen schnell Neid und Hass. Der Teufel wird als das Böse an sich gesehen. Aber Vorsicht: er wirkt auch dort, wo man es sich zu leicht macht und anderen die Verantwortung für etwas in die Schuhe schieben will. Jesus Christus aber setzt dem Teufelswerk seine Liebe entgegen, schenkt Vergebung und wirbt für Wahrheit und Versöhnung.

Wenn man das Glasteufelchen in eine mit Wasser gefüllte Plasteflasche setzt und dann an der Flasche drückt, dreht es sich und tanzt. Man muss nur ein bisschen wissen wo man drückt, dann geht es los. Erstaunlich gut wissen wir manchmal, wo wir bei anderen drücken müssen, damit sie zum hüpfenden Teufel werden. Es fällt nicht immer leicht der Versuchung zu widerstehen und nicht zu drücken. Wiederum ist es gut, die eigenen Teufelsdruckpunkte zu kennen um einen kühlen Kopf zu bewahren.

Pfarrerin Susanne Willig

Hartha/Gersdorf

Lagerfeuer
Foto von Christian Mette / CC-BY-NC-SA