Geistliches Wort

Namensgeber

Wurden Sie schon mal mit falschen Namen genannt? Wie ging es Ihnen? Mein Name „Astrid Zlotowski“ bereitet Schwierigkeiten – das kann ich verstehen – aber gleichzeitig bin ich immer wieder davon überrascht, wie gut es mir tut, wenn Menschen meinen Namen kennen und sogar richtig aussprechen. Der Volksmund sagt ja gern „Namen sind wie Schall und Rauch“ – ich sehe das nicht so. Mein Name gehört zu mir. Ich möchte keine Nummer sein. Hinter meinem Namen verbirgt sich ein Gesicht, ein Charakter, Gaben, Macken – kurz meine ganze Persönlichkeit. Ich finde es eher schmerzlich, wenn ich über meine Dörfer fahre und sehe, wer einst wo gewohnt hat und nun bereits verstorben ist. Ich kenne meist einen Teil der Lebensgeschichte und doch weiß ich, dass es nur eine Momentaufnahme war. Lebensgeschichte ist doch so viel mehr. Wir sagen das ja so gern: Ein Mensch lebt in der Erinnerung weiter. Aha. Und wie lange halten die Erinnerungen vor? Ich weiß nicht mehr, wie meine Oma gerochen und wie sie genau ausgesehen hat – sie ist fast 30 Jahre tot – auf meine Erinnerung kann ich mich nicht verlassen. Und was, wenn es vielleicht gar keinen Menschen gibt, der sich erinnert? Nein! Das mit der Erinnerung sehe ich anders! Und Gott auch. Er spricht durch den Propheten Jesaja: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1) Einer meiner absoluten Lieblingsverse und Kraftquelle. Bei Gott gilt jeder Mensch. Vom Zeitpunkt seiner Entstehung, im Leben und weit darüber hinaus. Keiner gerät in Vergessenheit. Seit Jahrtausenden ist das schon so. Das macht mich demütig und ehrfürchtig. Und wissen Sie, was ich klasse finde? Ich muss Gott nicht erklären, wer ich bin – er kennt mich ja – besser als ich mich selbst kenne oder ausdrücken könnte.
Pfarrerin Astrid Zlotowski – Kirchgemeinde Erlau
Pfarrerin Zlotowski
Pfarrerin Astrid Zlotowski