Geistliches Wort

Warmes Bier!? „Trink mal ein warmes Bier, das hilft“ sagt jemand neben mir, während ich huste und schniefe. Warmes Bier! Mir wird schon vom Gedanken daran schlecht, denke ich. Da freue ich mich doch lieber auf ein frischgezapftes, kühles Pils, wenn das mit der Erkältung vorbei ist. So sind Hausmittel – sie müssen nicht auf der Zunge zergehen, sie sollen die Krankheit lindern. Da haben alle so ihre Methoden und Weisheiten. Mitunter wurden sie von der Oma übernommen – langbewährt, einfach und irgendwie mit einem Hauch von den „guten, alten Zeiten“. Wahrscheinlich trifft es mit den Hausmitteln deshalb den „Puls der Zeit“. In einer Welt, in der alles vielschichtig und kompliziert ist, wirken solche Hausmittel wohltuend einfach und überschaubar. Wie ein warmes Bier eben, das Opa schon getrunken hat, wenn es im Hals kratzte. Folgender Satz des Propheten Jeremia wirkt auch wie ein langbewährtes Hausmittel – es ist ein kurzes Gebet: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ | Jer. 17,14. Das Vertrauen auf Gottes Hilfe und Heilung ist hier das Hausmittel, das angeboten wird. Und dabei geht es nicht allein um Krankheit oder körperliche Gebrechen. Sondern es geht um Heilung der Wunden, die einem schmerzen: wenn die Zeit nicht vergeht, weil man einsam ist; wenn die Nacht schlaflos bleibt, weil die Familie streitet; wenn die Sehnsucht nach Frieden wächst, für einen selbst und für die Menschen da draußen. Da kann dieses einfache Gebet zu Gott schon der erste Heilungsschritt sein: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Schließlich ist es bei solchen Gebeten wie bei einem langbewährten Hausmittel: der Glaube an die Wirkung gehört natürlich dazu. Es ist der Glaube an Gottes Liebe und Hilfe für mich in meiner Not, für meine Sorgen und Ängste, für meine Wünsche und Träume. Dr. Heiko Jadatz, Pfarrer in Roßwein |
