Geistliches Wort
| Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei Es beginnt die Fasten- bzw. Passionszeit, da sind wir jetzt mittendrin. Fastenzeit ist immer Besinnungszeit, um über Sinn und Ziel des Lebens nachzudenken. Wir werden daran erinnert: Unser Leben gehört uns nicht. Es ist nur geliehen, anvertraut auf Zeit zum verantwortlichen Umgang. Von Jesus ist der folgende Satz überliefert: Wenn ein Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn, aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht. Jesus erzählt ein anschauliches Beispiel, das versteht jeder: Ein Getreidekorn muss ausgesät werden. Es muss in die Erde, dort verändert es sich völlig, um Frucht zu bringen. Wenn nicht, dann verfehlt es seine Aufgabe, so wie es die folgende Geschichte beschreibt: Ein Weizenkorn versteckte sich in der Scheune. Es wollte nicht ausgesät werden. Es wollte sich nicht opfern, es wollte nicht sterben, um Frucht zu bringen. Das Weizenkorn wollte sein Leben retten. Doch eines Tages kehrte der Bauer den Staub in der Scheune weg und mit dem Staub auch das Weizenkorn. Es war nur noch Abfall und so überflüssig wie der Staub. Es hatte seinen Sinn und seine Bestimmung verfehlt, denn es wurde nie zu Brot. Es kam nie auf einen Tisch. Es hat nie Menschen satt gemacht. So isoliert sich auch Egoismus und Egoismus macht einsam, wie diese Geschichte zeigt. Anders verhält es sich mit Zuwendung, mit Empathie, die sich anderen schenkt und mitteilt. Von dieser Zuwendung ist das ganze Leben von Jesus bestimmt. Er vergleicht sich mit einem Weizenkorn. Nicht mit dem, das kneift und sich versteckt, sondern er vergleicht sich mit dem Weizenkorn, aus dem erfülltes, sinnvolles Leben wächst. (Aus einem einzigen Weizenkorn kann eine Ähre mit 50 bis 60 Körnern entstehen.) Dieses Gleichnis richtet sich auch an uns heute. Es ermutigt zum Leben und es ermutigt, Leben weiterzugeben. Martin Luther hat das Sinnbild vom Weizenkorn in einer Predigt so zusammengefasst: „In ihm ist die ganze Botschaft von Jesus enthalten. Es beschreibt seinen Weg zum Kreuz, sein Sterben für uns alle, aber mit diesem Bild vom Weizenkorn gibt uns Jesus auch eine Hoffnung mit: Durch das Sterben, durch den Tod hindurch ist neues Leben und vielfältige Frucht, auch für uns alle.“ Neues Leben und vielfältige Frucht feiern wir noch heute zu Ostern. Ostern ist das Fest des Lebens. Doch davor liegt die Fasten-, die Passionszeit mit dem Karfreitag – beides gehört zusammen. Eine Liedstrophe bringt das zuversichtlich auf den Punkt: „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt – Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün“. Arnold Liebers, Superintendent i. R. |
